Aktuelle Freitagspredigt

Kontinuität in der Anbetung (Ibadat)

12. April 2024

3. Schawwal 1445

Verehrte Muslime!

Solange das Leben weitergeht, bleiben die materiellen Bedürfnisse bestehen, so auch die spirituellen Bedürfnisse.

Was wir spirituell brauchen ist Ibāda, also Anbetung. Denn Anbetung ist der Sinn unserer Erschaffung. Allah Ta’ala sagt in einem edlen Ayet: „Ich habe die Dschinn und die Menschen nur (dazu) erschaffen, damit sie Mir dienen.” (Az-Zāriyāt, 51:56)

Anbetung ist die Nahrung der Seele. Blumen ohne Wasser sind zum Verwelken, Lebewesen ohne Nahrung zum Sterben und Seelen, die der Anbetung beraubt sind, sind zum Verkümmern verurteilt.

Die Anbetung umfasst Handlungen, die der Mensch unternimmt, um seine Dienerschaft gegenüber Allah zu zeigen.

Darunter gibt es Fard-Verpflichtungen, das heißt obligatorische Ibādāt, die man erfüllen muss, und Nāfilas, freiwillige Gebete. Die wichtigste gottesdienstliche Handlung ist Salā, Namaz, also das rituelle Gebet. Während die Zakat und das Fasten nur einmal im Jahr und die Hadsch nur einmal im Leben Pflicht sind, ist das Gebet aufgrund seiner Bedeutung fünfmal am Tag Pflicht.

Eine weitere Pflicht des Muslims besteht darin, sich eifrig um die Verbreitung der Religion Allahs und ihre Weitergabe an die Nachkommen zu kümmern und dafür zu dienen.

Der Zikr, das Gedenken an Allah,  ist eine der größten Nāfila-Ibādāt überhaupt, damit man nicht einen Augenblick von Allah abgelenkt wird.

Wie und in welchem Umfang die Anbetung zu vollziehen ist, liegt nicht im Ermessen der Diener, sondern wurde von Allah und Seinem Gesandten gelehrt.

Liebe Muslime! Auch wenn die Ibādāt der Seele Freude bereiten, so sind sie doch für die Nafs, für die Triebseele, schwer. Denn die Nafs ist immer bestrebt begonnene gottesdienstliche Handlungen abzubrechen und sie so schnell wie möglich zu beenden.

Die Nafs versucht auch, die Anbetung derer einzuschränken, die es geschafft haben, ihr Ego zu überwinden und sich in gesegneten Zeiten wie dem  Ramadan Scharif, an Festtagen und in den heiligen Nächten den Ibādāt zu widmen, indem sie ihnen einredet: „So viel Anbetung ist genug für dich.”

Sie setzt jedoch den weltlichen Genüssen, verbotenen Dingen und Vergnügungen keine Grenzen, sondern ermutigt sogar dazu, sich noch ehrgeiziger an sie zu klammern.

Allah Ta’ala sagt jedoch: „Aber lobpreise deinen Herrn und sei einer von denen, die sich niederwerfen. Und diene deinem Herrn bis dich die Gewissheit (der Tod) ereilt.” (al-Hidschr, 15:98-99)

Wie aus dem edlen Ayet hervorgeht, ist die Kontinuität in der Anbetung von wesentlicher Bedeutung. In einem Hadith Scharif, überliefert von unserer Mutter Hazrat Aischa, heißt es: „Die liebste Tat bei Allah ist die, die beständig ist, auch wenn sie gering ist.” (Buchari, ar-Riqāq 53 (6464))

Damit die Anbetung beständig ist, muss man Freude an den Ibādāt haben. Damit die Ibādāt Freude bereiten, müssen sie mit Ichlas, also mit Aufrichtigkeit, verrichtet werden. Daher sollte die Anbetung nur verrichtet werden, weil dies Allah gebietet, ohne irgendeinen Vorteil zu suchen oder damit prahlen zu wollen.

Allah Ta’ala sagt in der Sure al-Bayyina: „Und nichts anderes wurde ihnen befohlen, als Allah zu dienen und (dabei) Ihm gegenüber aufrichtig in der Religion (zu sein), als Anhänger des rechten Glaubens und das Gebet zu verrichten und die Zakat zu entrichten. Und das ist die Religion der Geradlinigkeit.” (al-Bayyina, 98:5)

Unser Prophet (s.a.w.) erklärt die Anbetung, die in guter Absicht und aufrichtig verrichtet wird, wie folgt: „Allah Ta’ala hat die guten Taten und die schlechten Taten aufgeschrieben und dann wie folgt erklärt. Wer eine gute Tat beabsichtigt und sie nicht ausführt, dem schreibt Allah Ta’ala bei Sich eine volle gute Tat dafür gut. Wenn er sie beabsichtigt und ausführt, schreibt Allah ihm dafür bei Sich (je nach seiner Absicht und der Aufrichtigkeit seiner Tat) zehn bis siebenhundert gute Taten gut, ja sogar viele Vielfache davon. Und wer eine schlechte Tat beabsichtigt und sie nicht ausführt, dem schreibt Allah dafür bei Sich eine gute Tat gut. Doch wer sie beabsichtigt und ausführt, für den schreibt Allah dafür nur eine schlechte Tat bei Sich auf.” (Buchari, ar-Riqāq 80 (6491))

Kann überhaupt ein vernünftiger Mensch mit der Anbetung Allahs geizen, wo Er doch sogar für eine beabsichtigte, aber aus Furcht vor Allah unterlassene schlechte Tat eine Belohnung gibt?