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Sauberkeit im Islam

03. Februar 2023

12. Redscheb 1444

Verehrte Muslime!

In unserer heutigen Hutbe geht es um Sauberkeit. Sauberkeit ist ein untrennbarer Teil des Islams.  Es gibt kein System, dass der Sauberkeit so eine umfangreiche Bedeutung beimisst wie der Islam. Er betrachtet die Sauberkeit sowohl aus der materiellen als auch aus der geistigen Perspektive. Materiell gesehen ist sie ein Schutzschild für die menschliche Gesundheit. Geistig betrachtet, macht sie guten Charakter zur Lebensweise und erhöht so die Anzahl der vollkommenen Menschen. Im Kur’an Kerim heißt es: „Wahrlich, Allah liebt diejenigen, die stets Reue zeigen und Er liebt diejenigen, die sich reinigen.” (al-Baqara, 2:222) Dies ist ein Ansporn,  zuerst Buße zu tun, um sich vom Schmutz der Sünden und danach vom äußerlichen Schmutz zu reinigen.

In unserer heutigen Hutbe möchte ich euch den Aspekt der materiellen Sauberkeit näher erklären. Im Islam beschränkt sich die Sauberkeit nicht nur auf die Reinigung von unansehnlichen Dingen wie Schmutz, Rost, Staub und Erde, sondern auch die Reinigung des Körpers, der Kleidung und der Umgebung von Substanzen, die nach unserer Religion als nedschaset, als rituell unrein, bezeichnet werden, ist nötig. Um Sauberkeit gut begreifen zu können, müssen wir das Konzept der Nedschaset (rituelle Unreinheit) richtig verstehen.

Unreinheit gemäß Islam unterteilt sich in zwei Kategorien, tatsächlich und rituell. Beispielsweise handelt es sich bei Blut, Urin, Stuhlgang und Alkohol um tatsächlich unreine Substanzen. Körperliche Zustände hingegen, die das Verrichten des rituellen Gebets unmöglich machen wie das Fehlen der rituellen Waschung oder der Zustand der Dschenabet sind ritueller Art. Die Unreinheit unterteilt sich zudem in schwer und leicht. Die Ayet Kerime „Und deine Kleider, reinige sie!” (al-Muddassir, 74:4) verpflichtet uns Muslime, uns von rituell unreinen Substanzen zu reinigen.

Liebe Muslime!

Zunächst möchte ich im Kontext der Reinigung das Thema der kleinen und der großen Waschung ansprechen.

Abdest/Wudu, also die kleine rituelle Waschung ist die häufigste Art der Reinigung eines Muslims. Sie ist Pflicht für das rituelle Gebet, zum Berühren des Kur’an Kerims, für den Tawaf (Umrundung) der Ka’ba Muazzama. In vielen anderen Bereichen ist sie sunna. Mit dieser rituellen Waschung schütz sich ein Muslim durch die ständige Waschung seiner Körperteile, die mit der Außenwelt in Berührung kommen, zudem von krankheitsverursachenden Keimen.  Es gehört auch zu den Merkmalen des Islams, nach dem Wasserlassen oder Stuhlgang den Intimbereich mit Wasser zu reinigen. Für die Annahme der Ibadat bei Allah ist diese Reinigung unerlässlich.

Die Ganzköperwaschung ist gemäß der Ayet Kerime „Und wenn ihr dschunub (rituell unrein) seid, so reinigt euch!” (al-Maida, 5:6) für Personen im Zustand der rituellen Unreinheit nach Beischlaf oder Samenerguss oder für Frauen nach Beendigung ihrer besonderen Tage verpflichtend.

In einem Hadis Scherif heißt es: „Es ist die Pflicht eines jeden Muslims, alle sieben Tage seinen Kopf und seinen Körper zu waschen.” (Muslim, Dschumu’a, 2) In einem anderen Hadis Scherif wird darauf hingewiesen, dass diese Waschung am Freitag von großer Bedeutung ist: „Die  Ganzkörperwaschung am Freitag ist für jeden geschlechtsreifen Muslim Pflicht.”(Buchari, Dschumu’a, 5)

Unsere Religion hat auch der Mund- und Zahnpflege einen hohen Stellenwert eingeräumt. Rasulullah (s.a.w.) sagte: „Wenn ich es für meine Umma nicht schwierig empfunden hätte, hätte ich ihnen die Miswak-Zahnbürste bei jeder Gebets-(waschung) befohlen.” (Buchari, Dschumu’a, 8)

Bezüglich der allgemeinen Körperpflege ist der folgende Hadis Scherif unseres Propheten (s.a.w.) sehr bedeutsam: „Zehn Dinge gehören zur Fitra, (zur Natur des Menschen; das sind Bräuche, die die Propheten praktiziert haben): den Schnäuzer kürzen, den Vollbart wachsen lassen, die Miswak-Zahnbürste verwenden, die Nase mit Wasser ausspülen, die Nägel schneiden, insbesondere (vor und nach dem Essen die Hände) die Fingerknöchel waschen, Achsel- und Schamhaare entfernen und (Intimbereich nach Toilettengang) mit Wasser reinigen.“ Der Überlieferer sagte: „Das zehnte habe ich vergessen. Aber es müsste „den Mund mit Wasser ausspülen“ sein.“ (Muslim, Tahara, 56)

Die Sauberhaltung der Umwelt gehört ebenso zu den notwendigen Dingen im Islam. Hierzu gibt es verschiedene Empfehlungen unseres Propheten. Ein Muslim ist stets bemüht, seine Umwelt nicht zu verschmutzen und auch nicht seine Wohnung zum Beispiel mit Straßenschuhen. Die Sauberkeit ist wie ein klares Wasser, das aus der Quelle des Imans, dem Herzen des Mu’min (Gläubigen) entspringt und in alle Körperteile dringt. Ich möchte meine Hutbe mit dem folgenden Hadis Scherif dem Siegel aller Popheten beenden: „Die Sauberkeit ist die Hälfte des Imans.” (Muslim, Tahara, 1)